Interessante Geschichten aus Südtirol
Der blaue Schurz
Fixer Bestandteil der Arbeitsgarderobe in Südtirol...Den Besuchern Südtirols fällt sofort auf, dass die Bauern und Handwerker an Wochentagen eine blaue Schürze tragen. Es scheint, dass sie sie nicht entbehren können, ohne das weiße oder karierte Hemd und darüber bis zu den Knien die Schürze, fühlen sie sich nur halb angezogen. Die blaue Schürze ist zum Abzeichen der männlichen Südtiroler Arbeitswelt geworden, und die gefällige Farbe erhellt den vielleicht grauen Alltag. Die Schürze ist sehr praktisch und findet mancherlei Verwendung. Oft ist sie mit gestickten Blumen oder einem humorvollen Spruch verziert wie etwa lustig und ledig, im Wein liegt die Wahrheit oder Bauer mit Herz... Ob Nutzen oder einfach Gewohnheit: Der blaue Schurz passt in Südtirol wie das Amen nach dem Gebet! Im Gegensatz zu anderen Schürzen besteht die Burggräfler Männerschürze, das "Firtig" aus zwei Stücken, einem "Brüstl" (Brustlatz) mit rundem Halsauschnitt und dem rechteckigen Unterteil mit drei kleinen Falten. Diese Schürze diente früher nur dem Schutz der Kleidung. Sie wird heute auch von der bäuerlichen Bevölkerung nur mehr selten getragen. Die Wirte und Bauern trugen früher an Sonn- und Feiertagen weiße Schürzen. Sie sind die Tracht der Männer zwischen fünf und fünfundsiebzig. Die Schürze heißt im Dialekt "Fürtig" oder "Firtig", was soviel wie Vortuch bedeutet. Die Schürzen gehören längst den Weinbauern nicht mehr allein. Sie werden auch von Leuten getragen, die sich bei der Arbeit die Hände nicht schmutzig machen. Wussten Sie, dass ein aufgedrehter, blauer Schurz „Feierabend“ bedeutet? Nach getaner Arbeit wird die rechte Ecke vom Schurz zum Rücken gezogen und dort in die Schurzbänder eingedreht, während die linke Ecke vorne nach unten schaut.Herz Jesu- Feuer (Herz-Jesu-Freitag ist der 2. Freitag nach Fronleichnam)
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert werden auf den Bergen Tirols Herz-Jesu-Feuer als Zeichen der Erneuerung des Herz-Jesu-Gelöbnisses von 1796 entzündet. Als französische Truppen unter Napoleon I. das Land Tirol bedrohten, traten die Tiroler Landstände 1796 in Bozen zusammen, um die Situation zu beraten. Der Stamser Abt Sebastian Stöckl regte dort an, das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen und so göttlichen Beistand zu erhalten. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen, die Landstände gelobten im Namen des Volkes, das Herz-Jesu-Fest jährlich feierlich zu begehen. Als Herz-Jesu-Tag wurde der 2. Freitag nach dem Fronleichnamsfest gewählt. Diesen Bund mit dem Herzen Jesu erneuerte Andreas Hofer mit seinen Schützen vor der Berg-Isel-Schlacht gegen die Franzosen und Bayern. Seitdem ist der Sonntag nach dem Herz-Jesu Freitag Tiroler Landesfeiertag, der mit Prozessionen und Bergfeuern hochgehalten wird. Diese Bergfeuer waren in Kriegszeiten Leuchtzeichen für einen abgesprochenen Kampfbeginn, die an weit sichtbaren Punkten und Gipfeln aufflammten. So werden heute noch in Südtirol am Herz-Jesu Sonntag im ganzen Land Herz-Jesu-Feuer entzündet. Sie gelten als "lodernder Beweis" der Unauflösbarkeit des Gelöbnisses der Tiroler Landstände aus dem Jahre 1796. Die Feuer ordnet man häufig in Form von Herzen, Kreuzen oder den Zeichen Christi "INRI" oder "IHS" an, aber auch in Schriftzügen, die meist auf die Tiroler Einheit hinweisen. Dabei werden keine Mühen und Kosten gescheut um auch auf den höchsten Gipfeln helle Feuer zu entflammen.Schützen und Volkstrachten (kennzeichnend für Südtirol)
Am 20. Februar 1810 ließ Napoleon Andreas Hofer in Mantua erschießen, weil er es gewagt hatte, 1809 seine Truppen mit einem Volksaufstand aus Tirol zu verjagen. Von dort an wird an diesen Tag mit Umzügen, Messen und Zeremonien bei seinen Denkmälern an den Tiroler Freiheitshelden gedacht. Die Schützen stellen in Südtirol eine alte Tradition dar. Sie wurden 1511 aufgestellt, um ihre Heimat zu verteidigen. Heute bestehen in Südtirol noch mehr als 70 Schützenkompanien mit ruhmreicher Geschichte. Meist haben sie Spielhahnfedern auf dem Hut, tragen eine rote Weste, eine braune lange Joppe, Kniehosen, weiße Kniestrümpfe, Halbschuhe mit einer Schnalle und marschieren in Reih und Glied; voraus schreiten die Fahnenträger und die Marketenderinnen. Die Tracht weist im Allgemeinen eine große Vielfalt auf, mehr als 100 verschiedene, wenn auch recht ähnliche Aufmachungen sind zu finden. Trotzdem gibt es klare Unterscheidungsmerkmale zwischen Tälern und Ortschaften. Während die meisten Trachten heute nur noch bei Musikkapellen und festlichen Prozessionen getragen werden, verdient die Sarner Tracht, nämlich jene aus dem Sarntal, eine besondere Beachtung, denn sie ist, fast als einzige, bei allen Festen unerlässlich und oft auch eine Werktagsgewandung geblieben.
Die Südtiroler Tracht
Die Herstellung der Tracht erfordert fundiertes Wissen und handwerkliche Fertigkeiten. Mit den aufwendigen Näharbeiten der Frauentracht sind die wenigen Trachtenschneiderinnen im Sarntal vertraut. Eine dieser Heimarbeiterinnen ist Anna Messner, Jahrgang 1931. Wie viele „bayrische Gwander“ – so wird die Sarner Tracht im Volksmund genannt – sie in ihrem Leben angefertigt hat, kann sie nicht sagen. Beim Erklären der Sarner Frauentracht unterscheidet sie zwischen Werktags-, Niederfeiertags-und Feiertagsgewand. DIE WERKTAGS- ODER ARBEITSTRACHT Der Leiblkittel der früheren Arbeitstracht, der mit weißem Leinenhemd getragen wurde, ist heute abgelöst durch ein punktiertes Baumwoll-Blaudruckgwand, das vor Sonne und Kälte schützt und leicht waschbar ist. Das Mieder wird auf der Innenseite zusätzlich mit einem festeren, meist karierten Stoff ergänzt, um die Figur zu betonen. Der reichgezogene Ärmel wird zur Arbeit hochgeschoben, so dass das Innenfutter am unteren Rand nach außen kommt und wie ein Stulp wirkt. Ein Baumwolltüchl, meist in Hochrot mit weißer Musterung oder in Hell mit farbigem Druck, liegt vorne schön gefaltet und gekreuzt. Das „Fürtig“, wie die Schürze genannt wird, ist fast immer in hellen Farben gehalten, gestreift oder klein bedruckt, oder auch rot mit kleiner weißer Musterung. Das „Tiechl“ (Tuch) ist der auffallendste individuelle Schmuck seiner Trägerin und wird ziemlich genau auf die Farbe der Schürze abgestimmt. Im Trauerfall und zu Beerdigungen sind Tuch und Schurz stets schwarz. Während das „Tiebetstiechl“ weniger Glanz im Stoff hat und dadurch schlicht und einfacher wirkt, gelten die so genannten „Atlastücher“ als besonders wertvoll und sind der ganze Stolz der Trachtenträgerin: mehrere Dutzend verschiedene Tücher hat Frau Messner in ihrem Schrank. Von ihr war auch zu erfahren, dass solch ein Atlastuch in der Nachkriegszeit einen Wert von damals ungefähr bis zu zwei Monatsgehältern hatte.
Die Feiertagstracht
Manche Sarnerinnen tragen diese Tracht jeden Sonntag, besonders aber zu kirchlichen Festtagen. Sie besteht aus einem glänzenden oder matten Wollstoffkleid mit Ärmeln, einer Seiden- oder leichten Wollschürze und dem dazu passenden Tüchl. Als Schuhwerk gehören zur Festtagstracht bis oberhalb des Knöchels geschnürte, schwarze Lederstiefel mit mittleren Stöckeln und der Bänderhut, ein flacher, schwarzer Filzhut, der am Krempenrand nach oben eingebandelt ist. Ein breites Taftband umspannt den „Gupf“ (Hutoberfläche), um den zwei dünne, rote Schnüre laufen. Lange, schwarze und an den Rändern gezackte Seidenbänder halten den Hut im Nacken fest. Die goldenen, sechseckigen Ohrringe gehören zur Sarner Festtagstracht ebenso wie der besonders edle Haarschmuck: Hier steckt sich die Sarnerin einen ziselierten Silberpfeil oder eine goldene Haarnadel in den „Tschopf“ (Zopfknäuel), welcher oberhalb des Nackens sitzt. Besonders stattlich und würdig schaut sie aus in ihrer festlichen Aufmachung und ist sich bewusst, dass, wenn der Mann im Sarntal zu seiner Tracht eine rote Schnur am Hut hat, ist er noch zu haben. Eine grüne Schnur dagegen bedeutet, dass er bereits verheiratet ist. Wussten Sie, dass wenn ein Sarner in Tracht nach 12 Uhr mittags noch mit „Fatsch“ (gestickter Ledergurt) anzutreffen ist, er noch nicht zu Mittag gegessen hat? Nach dem Mittagessen trägt „Mann“ die Tracht ohne Fatsch, dafür mit schön besticktem, aufgedrehtem „Firte“ (blauen Schurz).
Prozessionen - religiöse Traditionen...
Sehr typisch für Südtirol sind die vielen Prozessionen, die von feierlich und prunkvoll, bis zu sehr alt und charakteristisch oder bescheiden und ortsgebunden reichen. Sie sind nicht reine folkloristischen Veranstaltungen, sondern Ausdruck – ähnlich wie die Wallfahrten - einer religiösen Überzeugung. Dabei hat jedes Dorf seine eigenen Statuen und Bräuche. Im Takt der musikalischen Umrahmung der Musikkapelle bewegt sich der Umzug durch die Fluren und Gassen, wo die Fenster mit Heiligenbildern, Kerzen und Blumen geschmückt sind. Dabei wird immer wieder zwischendurch laut gebetet. Auffällig sind die riesigen und farbigen, von starken Burschen getragenen Kirchenfahnen, die im Wind wehen und mittels zweier an der oberen Stange befestigter und von einem Helfer gezogenen Schnüre gegen den Wind gesichert werden. Solche Prozessionen finden überall am Fronleichnamstag statt. Berühmt ist jene von Kastelruth, wo man mit den reichsten und auffälligsten Trachten prunkt, aber auch in vielen anderen Orten kann man beeindruckende Prozessionen bewundern.
Der geschlossene Hof - Typisches Merkmal der südtirolerischen Landschaft
Das Südtiroler Landschaftsbild wird wesentlich von der Streusiedlung geprägt. Die gerodeten Lichtungen, mit Haus und Stadel des Bauern, bilden einen Hof. Unter „Hof“ versteht man hierzulande die Gesamtheit der Bauten und Grundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Anwesen gehören. Der Hof ist „geschlossen“, wenn er nicht geteilt werden darf und als Ganzes vererbt wird. Die Tiroler Landesordnung (1526) verbot die Realteilung zur Sicherung und Fortbestand der Höfe und der bäuerlichen Geschlechter.In Italien hat die mehrmalige Zerstückelung des Grundbesitzes zur Landflucht und zum Verlassen der Bergdörfer geführt und dem versuchte man entgegenzuwirken. Vor allem in Berggebieten leben die Familien in vielen Einzelhöfen, die auch zwei Stunden oder mehr vom Kirchdorf entfernt sind; das ist ein klares Zeichen einer besonderen Lebensart. Meist überträgt der Hofbesitzer das ganze Anwesen noch zu Lebzeiten einem Sohn, gewöhnlich dem ältesten. Dabei ist es so, dass derjenige, der den Hof übernimmt, den restlichen Geschwistern eine angemessene Entschädigung für den Verzicht auf die Erbschaft zahlt. Oft bleibt ein Sohn als Bauer allein auf dem Hof und hat dadurch Schwierigkeiten, eine Frau zu finden, die von dieser Lebensart angetan und dazu bereit ist, auf viele Bequemlichkeiten zu verzichten und auf dem Feld und im Stall (hart) zu arbeiten. Wenn man bedenkt, dass von den ca. 19.000 landwirtschaftlichen Betrieben Südtirols über 11.000 geschlossene Höfe sind, so liegt es auf der Hand, dass dieser noch lebendige Brauch für das Land wesentlich ist. Fast 5.000 Höfe befinden sich in Südtirol isoliert im weiten Umkreis um das Dorf; die Abgeschiedenheit erklärt viele Bräuche und den einzigartigen und individualisierten Charakter. Kein Hof ist mit einem anderen identisch, jeder hat seine Eigenart. Wie wichtig der Hof ist, verrät auch die Gewohnheit in Südtirol, die Dorfbewohner nach ihren Höfen zu nennen.
Friedhöfe, Kirchen, Kapellen und Wegkreuze
Der Besucher, der eine Dorfkirche in Südtirol besucht, wundert sich über den Standort des Friedhofes, nämlich um der Kirche und auch neben den Häusern, denn in den meisten Gegenden Italiens und Deutschland ist die Begräbnisstätte außerhalb der Siedlung. In Südtirol besteht noch der uralte Brauch, die Toten bei der Pfarrkirche zu bestatten, so können die Angehörigen das Grab ihrer Lieben bei jedem Gottesdienst besuchen und mit Weihwasser besprengen (um ihnen die Flammen des Fegefeuers zu mildern). Nicht zu übersehen in Südtirol auch die großen Kreuze, die fast auf jeder Bergspitze stehen, von wo aus Christus sozusagen das ganze Land beschützt und segnet. Auf Anhöhen steht oft ein Wetterkreuz mit zwei oder drei Querbalken, das die darunter liegende Siedlung von Blitz und Hagel bewahren soll. Auf vielen vorspringenden Hügeln thront ein Kirchlein, welches das Tal bewachen soll; überall stehen Kapellen und Bildstöcke, viereckige Säulen mit spitzem Dach, die an die Opfer der furchtbaren Seuche des Jahres 1635 erinnern. Sehr verbreitet ist zudem der typische Brauch, Weg- und Feldkreuze auf Wanderwege, aber auch auf Straßen aufzustellen. Man begegnet ihnen überall, an der Grenze zwischen Gemeinden oder Höfen, wo ein Unglück passiert ist, an Kreuzungen, die nach dem Aberglauben von bösen Geistern und Hexen bedroht sind. Die meisten Wegkreuze haben einen in Holz geschnitzten Christus, von einem kleinen Dach vor Regen geschützt und oft mit Blumen, Maiskolben und Andachtsbildern geschmückt. Die vielen Kreuze verleihen dem Land ein religiöses Gepräge.
Gebratene Kastanien und der "neue" Wein
Das Törggelen ist ein alter Brauch, welcher im Herbst beginnt. Der Begriff stammt aus dem lateinischen "torquere" und bedeutet winden, pressen und drehen. Gemeint ist damit das Pressen der Maische nach der Weintraubenernte, wie es in früheren Zeiten gemacht wurde. Zum Törggelen begibt man sich am besten nach der Weinernte im Rahmen einer Herbstwanderung in bäuerliche Jausenstationen, Buschenschenken, Weinhöfe und alte Weinkeller, um den „Nuien“, wie der junge Wein genannt wird, und andere typische Spezialitäten, wie geröstete Kastanien, Sauerkraut Speck oder Hauswürste zu verkosten. Die Törggelezeit erstreckt sich traditionsgemäß von Anfang Oktober bis Ende November.Ötzi – der Mann aus dem Eis
Alle kennen ihn unter dem Spitznamen Ötzi, abgeleitet vom Namen des Ötztales an der Grenze zwischen Österreich und Italien, wo die Gletschermumie 1991 entdeckt wurde. Wegen weniger Meter stehen die „Eigentumsrechte“ an diesem Fund dem italienischen Staat zu, aber die Forschungen an der Mumie vom Similaun, die von den Wissenschaftlern der Universität Innsbruck und vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz durchgeführt wurden, haben diesen Fund zu einem Forschungsobjekt von Weltrang gemacht. Im Folgenden seinen einige Angaben zum Homo Tyroliensis zusammengefasst (der vor 5.300 Jahren gelebt hat), der auch als Mann vom Similaun, Ötzi, Omsék, Mann im Eis bezeichnet wird und im Museum für Archäologie in Bozen, durch ein kleines Fenster in der Wand der Kühlzelle betrachtet werden kann, wo er bei -6 Grad verwahrt wird. Fundort: Schnalstal, Tisenjoch (Gletscherzunge Hauslabjoch), 92 m von der italienisch-österreichischen Grenze entfernt, auf italienischem Boden, in 3.278 m Meereshöhe. Die Mumie: 45 Jahre alt; 1,60 m groß; kegelförmige Kopfbedeckung aus Leder; Überwurf aus Leder und Pflanzenfasern; Köcher aus Leder mit 14 Pfeilen; Kupferaxt mit Stiel aus Eibenholz; Bogen aus Eibenholz, nicht fertig verarbeitet und zerbrochen; Fußbekleidung aus Kalbsleder, an ebenfalls ledernen, bis zu den Schenkeln reichenden Gamaschen verschnürt; Tasche mit Werkzeug aus Feuerstein, Resten eines heilkräftigen Pilzes, Ahle aus Hirschhorn, Kordel aus Pflanzenfasern.Krampusse und Klöckler im Vinschgau
Am 5. Dezember wird in vielen Ortschaften Südtirols der Krampustag begangen. Die Krampusse (Teufel) laufen mit Fell bekleidet, das Gesicht maskiert oder angeschwärzt, mit zwei langen Hörnern auf dem Kopf, auf den Straßen den „schlimmen Kindern“ nach; dann aber kommt der gute heilige Nikolaus, der an alle Süßigkeiten und Bonbons verteilt. Ende Februar hingegen, wird von den „Klöcklern“ ein Ritual nachvollzogen, dem noch Heidnisches anhaftet: um die Geister des Winters auszutreiben, lärmen Jugendliche mit großen Schellen in den Straßen herum und trommeln auf Blechkübeln; denselben Ursprung hat der Brauch des Scheibenwerfens am ersten Sonntag der Fastenzeit. Dabei werden große Scheiterhaufen angezündet und brennende Scheiben in die Luft gewirbelt.
Partschins: das Schreibmaschinenmuseum
Peter Mitterhofer aus Partschins (1822-1893) war ein unverstandener Erfinder. Seine rudimentären Schreibmaschinenmodelle aus Holz und Metall fanden bei der österreichischen Regierung keinen Anklang (1855), obwohl sie als Vorläufer des Prototypen der Schreibmaschine gelten können. In den Vereinigten Staaten kamen 1867 die ersten Schreibmaschinen auf den Markt. Zum Gedenken an diese außerordentliche, aber glücklose Persönlichkeit wurde in Partschins 1993 das Schreibmaschinenmuseum eröffnet, in dem rund 1000 Modelle ausgestellt sind, anhand derer die Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine bis zum Computer nachvollzogen werden kann.
Forst: das Bier aus Meran
In Forst (Gemeinde Algund) bei Meran gibt es seit 1857 eine Bierbrauerei, deren Erzeugnis nach dem Herstellungsort benannt wurde und unverzüglich großen Anklang fand. Die großen Keller mit den modernen Gäranlagen (zu besichtigen) befinden sich unmittelbar neben dem malerischen Biergarten und der Bierstube, die zum Einkehren verlocken. Zum würzigen Speck „vom Brettl“ werden verschiedene Sorten Bier gereicht, vom leichten Forst Premium, zum angenehm herben Pils über das kräftige Kronen bis hin zum Sixtus, dem Doppelmalz.
Meran: die Traubenkur
Sehr beliebt war die Traubenkur am Habsburger Hof; die gesundheitsfördernde Wirkung wurde bereits damals von namhaften Ärzten erforscht. Diese Entschlackungsdiät für Körper und Geist, die möglichst in erholsamer Umgebung angewandt werden sollte, wurde in jüngerer Zeit in verschiedenen Orten des Trentino (am nördlichen Gardasee) und Südtirol (Meran) wieder aufgegriffen.Als die Etsch noch eine Wasserautobahn war
Mit der Flussschifffahrt auf der Etsch war über Jahrhunderte hinweg ein einschlägiger Wirtschaftszweig verbunden: von den Bootswerften zu den Flößern, von den Erbauern der Lagerhallen für Holz, das an den Anlegeplätzen zum Verkauf stand, zu den Bewirtschaftern der Stationen an den Strecken, an denen Pferde zum Ziehen der Flöße eingesetzt wurden. Über all diese Tätigkeiten wachten die mit eigenen Satzungen geregelten Flößerzünfte, um die Rechtsansprüche der Anlieger entlang den Etschufern, den Einsatz von wasserbetriebenen Maschinen in den Schmieden, Sägewerken und Mühlen zu kontrollieren, die verschiedenen Abgaben festzulegen. Zölle und Mautgebühren auf die beförderten Güter waren Sache der Fürsten, Klöster oder anderer Obrigkeiten, die nicht selten Ketten von einem Ufer zum anderen spannten, um trickreiche Ausreißer an ihrem Vorhaben zu hindern. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde festgehalten: ... von Branzoll bis Sacco (Borgo Sacco - Rovereto) reichten vier Flößer, ab San Michele mussten aber weitere zwei an Bord, weil der gefährlichste Abschnitt des Flusses jener bei Zambana war. In Trient konnten die Flößer von Grumo oder San Michele wieder an Land gehen und nach Hause zurückkehren.
Der Südtiroler Dialekt
Zum leichteren Verständnis der Südtiroler ist das Erlernen der wichtigsten dialektalen Wörter sehr zu empfehlen: denn drüben ist „entn“, hinüber ist „ummi, onni“ oder „ummen“, hinauf kann „aui, auchn, aufn“ sein. Noch komplizierter wird es mit den zahlreichen Italienismen. Wenn Sie wissen, was die Targa, das Patent oder die Residenz sind, Hut ab, ansonsten sollten Sie unbedingt „Daitsch“ lernen: www.oschpele.ritten.orgDie Haflinger
Hafling gab den berühmten Pferden seinen Namen, doch die Geschichte der Haflinger begann im Vinschgau. Im Jahre 1874 wurde in Schlanders auf dem Hof von Josef Folie der Hengst „249 Folie“ geboren. Ein seltsamer Name zwar, doch er war wohl die 249. Geburt auf dem Hof. Sein Vater war der Araberhengst „133 El’Bedavi XXII“, von der Mutter heißt es, sie sei eine Norikerstute gewesen, andere sagen, sie sei eine Landstute galizischer Herkunft gewesen. Die Haflinger waren eigentlich aus militärischen Gründen gezüchtet worden. Man wollte in den Alpen die habsburgischen Truppen direkt vor Ort mit Pferden versorgen. So hatte man in Laas im Vinschgau einen Hengstfohlen-Aufzuchthof eingerichtet, der nach vier Jahren die jungen Rösser dem Heer übergab. Nach weiteren vier Jahren gingen die Pferde in den Besitz des Pflegers über. So entstanden die Haflinger als ein kräftiges Trag- und Saumpferd, das innerhalb der alpinen Kriegsführung eingesetzt werden konnte. Und da man kräftige Trag- und Saumpferde eben „Haflinger“ nannte, bekam diese neue Rasse 1899 auch den Namen und es stabilisierte sich im Vinschgau, in Hafling, Mölten, Jenesien und am Ritten eine feste Zucht, die vom k.k. Ackerbauministerium genehmigt wurde. 1904 wurde dann die „1. Haflingerzuchtgenossenschaft Mölten“ gegründet, welche die Dörfer Hafling, Vöran, Meran und Jenesien umfasste. Den Sarnern schließlich mit ihrer traditionellen Vorliebe für Füchse mit blonden Mähnen ist dieses weitere Markenzeichen des Haflingers zu verdanken. Sieben Hengste gelten heute als Linienbegründer der „Haflinger“ und sie gehen allesamt auf „249 Folie“ zurück.Bartlmä
Egal, auf welchen Wochentag das Datum fällt, alljährlich am 24. August, dem Ehrentag des Hl. Bartolomäus, wird am Ritten Festtag gehalten. Die meisten Betriebe, die Gemeindeämter und Banken haben am „Bartlmastag“ nur halbtags geöffnet und wer etwas auf sich hält und körperlich imstande ist, geht auf die „Alp“. Hier findet ein authentisches Hochsommerfest von Rittnern für Rittner statt und es sind vor allem die Einheimischen, die an diesem Tag auf der Rittner Alm anzutreffen sind. Es ist jener Bauernfeiertag, auf den sich Jung und Alt das ganze Jahr über freut und welcher mit viel Sorgfalt und Traditionsbewusstsein vorbereitet wird. Wer nicht schon die Nacht vor dem Bartlmastag heroben verbracht hat, sollte frühzeitig aufbrechen, um mit Genuss und Freude die Rituale des Tages zu erleben. Traditionsgemäß zu Fuß geht es bis zur ersten Station, zur Saltnerhütte unterhalb der „Schian Alm“, wo ein improvisierter Ausschank und ein paar Musikanten zum Frühschoppen einladen. Ein kühles Bier, „a Glasl Weißn“, dazu eine Weiß- oder Meranerwurst und die ersten Bauernkrapfen werden hier kredenzt. Und langsam füllt sich der Platz. Immer mehr Familien, Freunde und Gäste, etliche in Lederhosen und Dirndl, kommen hier zusammen. ZUM HIRTEN GEBOREN Bereits am Vortag wurde das Almvieh zusammengetrieben und hier in der Saltnerhütte leben während des Sommers – ohne Strom und fließend Wasser – die eigentlichen Helden des Tages: die Saltner. Zweifelsohne stehen sie am Bartlmastag im Mittelpunkt, haben sie doch auch die Verantwortung über die rund 1000 Rinder und Pferde und wissen, welchem Bauer welches Stück Vieh gehört. Die Saltner tragen blaue Schürzen, die nicht selten mit einem „lustig & ledig“ oder sonst einer Bauernweisheit bestickt sind, auf ihren Filzhüten sind bunte, schöne „Bluamenbuschn“ angebracht. Manch einer von ihnen trägt noch einen Kräuselbart und mit ihren langschwänzigen Peitschen, den „Goaßln“, beherrschen sie das „Goaßl schnölln“ wie kein anderer. Dieses Knallen und dessen Echo hat Signalwirkung auf die Tiere, die Goaßl gilt als wichtigstes Arbeitsgerät der Saltner. Alfons Kofler vom „Keifhof“ ist der Almchef. Mit ihm zusammen haben sein Sohn Matthias, Karl Pechlaner und der Kälberhirte Hannes Pichler und erstmals auch die beiden Mädchen Julia Pichler und Katja Gamper heuer das Vieh betreut. Alfons ist seit 22 Jahren Saltner und somit der Älteste im Team: „Im Grunde ist es alljährlich dieselbe Arbeit, aber es macht Freude.Zum Hirten wirst du geboren, die Tiere musst du mögen und das mit dem Vieh musst du in dir haben, das ist wie Menschenkenntnis!“ lächelt er und schaut über die Almwiesen. Der Saltneralltag kann oft ganz schön hart sein. Bei jeder Witterung wird ihr Einsatz verlangt und das Schlimmste ist, wenn nach einem Unwetter Tiere fehlen und oft bis spät in die Nacht gesucht werden müssen… Am Bartlmastag jedoch wird das alles vergessen und verdrängt. Eine Stunde vor Mittag treiben die Saltner das Almvieh zum eigentlichen Eintriebsplatz, der ein Stück höher gelegen ist und wo sich inzwischen Hunderte Schaulustige eingefunden haben. Die Luft riecht nach Gegrilltem und traditionsgemäß spielt hier seit dem Jahr 1927 die Musikkapelle Wangen auf. Um 12 Uhr punktgenau beginnt dann mit Saltnerrufen, Goaßlschnölln, dem Brüllen und Wiehern der Tiere der eigentliche Einzug des Almviehs und die Saltner erzählen den Bauern, wie der Almsommer gelaufen ist. Auch der große Viehmarkt am „Stricker Pfarrer“, bei welchem so manches Tier seinen Besitzer wechselt, findet traditionsgemäß an diesem Tag statt. Am Nachmittag, wenn auf der Alm oben langsam wieder Ruhe einkehrt, triff t man sich weiter unten in Pemmern bei einem Wiesenfest, wo noch bis spät in die Nacht hinein gefeiert wird. Die Saltner kehren dann zurück zu ihren Tieren: für sie endet der Almsommer am 13. September mit einem Dankesgottesdienst am Latzfonser Kreuz.
Brennend Liab
Warum findet man in Südtirol überall und vorwiegend die rote Geranie / Pelargonium an den Balkonkästen? Sie wird zudem meist nicht als Geranie bezeichnet, sondern als Brennend Liab (Brennende Lieb). Und wie kann es sein, dass der Großteil der Südtiroler deutsch spricht? Hier einige Antworten: Die Geschichte Südtirols beginnt mit den Verträgen von Saint-Germain im Jahre 1919, in denen diese Region von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges dem Königreich Italien zugesprochen und damit zur nördlichsten Provinz Italiens wurde. Zuvor war die Region mit dem Tiroler Land (im heutigen Österreich) verbunden und Teil der Habsburger Kaisermonarchie Österreich-Ungarn. Am21. Oktober 1939 schlossen Hitler und Mussolini ein Abkommen zur Umsiedlung der deutschen und der ladinischen Minderheit in Südtirol. Den etwa 250.000 deutschsprachigen Südtirolern und Ladinern (80% der Wohnbevölkerung) wurde die Option für Deutschland nahe gelegt. Wer in Italien verbleiben wollte, musste die Italienisierung mit Aufgabe von Kultur und Muttersprache in Kauf nehmen. Die schwierige Wahl zwischen unfreiwilliger Auswanderung und „Dableiben“ wurde Gegenstand heftiger Diskussionen in den Gemeinden und quer durch viele Familien. Die ersten Familien verließen schon 1939 ihre Heimat und bis 1943 waren etwa 75.000 Südtiroler ausgewandert, vorwiegend mit geringem oder keinem Besitz. Nach Mussolinis Sturz erfolgte im September 1943 die deutsche Besetzung Südtirols und Norditaliens, was die Auswanderung beendete. Nach 1945 kehrte ein Großteil der Reichs-Optanten wieder in ihre Heimat zurück. Da das Gebiet Südtirol auch nach dem 2. Weltkrieg beim italienischen Staat blieb, erhielten jene Optanten, die im Land geblieben waren, nach dem Gruber-De Gasperi-Abkommen wieder die italienische Staatsbürgerschaft. Die Brennend Liab, welche bis heute viele Höfe und Häuser in Südtirol im Sommer schmückt, wurde ebenfalls zu Propagandazwecken verwendet. In Gedichtform sollte mit diesem Wahrzeichen der Bauern für die jeweilige Seite geworben werden.
| Version der Dableiber Am Erker blühet wie immer Die leuchtende "Brennende Lieb" Die Treue zur Heimat war stärker, Wie jauchzen wir, dass sie uns blieb. O blühe und leuchte Du Blume - Ein Zeichen der Treue Du bist! Und künde, dass Glaube und Heimat Das Höchste für uns ist. |
Version der Optanten So reißet vom sonnigen Erker Die letzte brennende Lieb; Die Treue zu Deutschland war stärker, Das heiligste, was uns blieb. Wir nehmen sie mit im Herzen, Für andere dereinst Symbol; Sie stille des Heimweh Schmerzen: Leb wohl, du mein Südtirol! |
Scheibenschlagen im Vinschgau
Ein besonderes Ritual am schon allein für sich mystischen Ort, dem Tartscher Bühel (wir sagen Tartschr Bichl..), findet jährlich am ersten Fastensonntag (1. Sonntag nach Fasching), statt. Dieser Sonntag wird im Volksmund auch oft "Holepfannsunnta" genannt. Der Tartscher Bühel (1077 m) ist ein kahler, glazial überformter Felsling mit mystischer Ausstrahlung im Obervinschgau, der als kugelige Erhebung überraschend in der sonst gleichmäßig geneigten Malser Haide liegt. Er ist historisch und botanisch bemerkenswert und bietet eine fantastische Aussicht. So erzählt ein Besucher des Hügels in der schönsten Nachmittagssonne, dass sich unter dem Hügel eine 1939-1942 gebaute, unvollendete und nie militärisch genutzte Bunkeranlage aus dem 2. Weltkrieg befindet, in der einst 200 Soldaten arbeiten und leben sollten. Sie besteht aus mehreren Eingängen, Schlaf- und Betriebskavernen, Schießständen, endlosen Treppenanlagen und durchlöchert den gesamten Hügel. Die meisten Eingänge sind von Gestrüpp überwuchert und deshalb wohl schwer zu finden. Außerdem erzählt er stolz, wie er beim Film "Die Freiheit des Adlers" den Adjutanten von Andreas Hofer, verkörpert von Tobias Moretti, gespielt hat und wie die weiblichen Fans andauernd den Moretti busseln haben wollen... Das Scheibenschlagen ist ein Brauch, bei welchem glühende Holzscheiben aus Zirbenholz mit Hilfe von Haselnuss-Gerten (Gart) von Berghängen ins Tal geschleudert werden. Begleitet wird die Scheibe mit dem Ruf: „O Reim, Reim! Wem soll die Scheib sein? Dia Scheib und mei Kniascheib sollen der Thresl sein! (der Name wechselt natürlich). Geaht sie guat, hat sie’s guat, geaht si nit guat, soll sie miar und mein Scheibele nicht verübl haben! Korn in der Wann’, Schmalz in der Pfann’, Pfluag in der Eard, schaug, wie mein Scheibele aussireart!“ Etwas später wird dann noch die "Hex" - ein Holzkreuz mit Stroh umwickelt, angezündet und bildet damit den Höhepunkt der Veranstaltung. Die Legende vom Südtiroler Knödel
Eines schönen Tages fiel eine marodierende Landsknechtsgruppe in einen Südtiroler Bauernhof ein und der Kommandeur verlangte zu essen, ansonsten würden die Soldaten Haus und Hof anzünden. Die Bäuerin war mit ihren Mägden allein zu Hause, aber unerschrocken machte sie sich ans Werk. Sie gab den Dirnen Anweisungen, alles zusammen zu tragen, was im Haus an Essbarem zu finden sei. Schließlich lagen auf dem Tisch hartes Brot, Zwiebeln, einige Eier, Bauchspeck und etwas Mehl. Die Bäuerin machte sich daran, das Brot aufzugrumeln (zu zerkleinern), holte etwas Grünzeug aus dem Garten und schnitt dies fein auf. Dann vermengte sie alles zu einem Teig, gab Salz dazu, formte ihn zu Kugeln und warf sie in siedendes Salzwasser. Forsch stellte sie den hungrigen Landsknechten die volle Schüssel auf den Tisch. Denen schmeckten die Kugeln so gut und sie wurden so satt, dass sie danach glatt einschliefen. „Diese Kanonenkugeln hauen ja die ärgsten Mannsbilder um“, meinte daraufhin der Hauptmann bewundernd und gab der kecken Bäuerin sogar noch ein paar Goldstücke zur Belohnung, bevor er friedlich mit seiner Truppe abzog. Seitdem war der Siegeszug des Südtiroler Knödels nicht mehr aufzuhalten…
Wie der Speck erfunden wurde
Die ersten Zeugnisse über Speck finden sich in Handelsregistern und Metzger-Ordnungen aus dem Jahr 1200 n.Chr. Namentlich genannt wird der Speck aber erst im 18. Jahrhundert. Ursprünglich waren die Menschen gezwungen, das Fleisch durch verschiedene Methoden haltbar zu machen. Dies geschah durch Räucherung und durch Salzen. Die Räucherung wurde vor allem in kälteren Ländern angewandt – dort wurde auch mehr geheizt. Die Menschen der Mittelmeerländer hingegen benutzten Salz, um ihre Fleischvorräte zu konservieren. Der Südtiroler bediente sich beider Methoden – dem Salzen und dem Räuchern - und schuf somit einen Rohschinken, der das Mediterrane und das Nordische verband. Darüber hinaus arbeitete der Südtiroler Bauer mit viel Frischluft. Diese drei Elemente werden heute noch für den Südtiroler Speck eingesetzt: Wenig Salz, wenig kalter Rauch und viel frische Luft. Anfänglich half der Speck den Bauern die harten Winter zu überstehen. Später jedoch avancierte er zur Spezialität, die bei Festen und Banketten serviert wurde. Und heutzutage wird keine Südtiroler Marende ohne Speck serviert.Und hier noch eine Legende zum Speck
So erzählt man sich: Als Kaiser Napoleon Bonaparte die halbe Welt mit Krieg überzog, drang er auch im Vinschgau ein. Seine Soldaten besetzten den Tartscher Bichl und hausten gar fürchterlich. In einem Häuschen am Bichlweg wohnte ein biederes Schneiderlein mit seiner Ehefrau. Im Stall hatten sie ein fettes Schweinchen, um das sie sich nun sehr sorgten. Wie sollten sie es vor den Franzosen verstecken? Das Schwein wollten sie nämlich um keinen Preis verlieren, denn sie hatten das ganze Jahr gespart und sich geplagt, um endlich einmal einen guten Bissen Fleisch zu bekommen. Da hatte der Schneidermeister eine Idee! Er meinte: “Wenn wir das Schwein schlachten und in den Rauchfang hinaufhängen täten, da würde gewiss kein Franzose hinaufschauen!” Gesagt. Getan. So kam der Moment als die Schneidersleute ihr Haus verlassen mussten. Die Soldaten nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Am Häuschen unseres Schneiders ließen sich die Offiziere nieder. In der Küche wurde nun gesotten und gebraten, dass der Kamin nur so qualmte. Nach einwöchiger Einquartierung zogen die Franzosen wieder ab und die Dorfbewohner kehrten in ihre ausgeplünderten Heimstätten zurück. Auch die Schneidersleute nahmen wieder Besitz von ihrem Häuschen. Ihr erster Blick galt natürlich dem Rauchfang und siehe da, das Schweinl war noch oben. Aber oh Schreck, ganz schwarz und durchräuchert war es! Dennoch probierten sie und siehe da, das Fleisch hatte einen guten Geschmack und sie konnten es lange Zeit aufbewahren, ohne dass es einen üblen Geruch bekommen hätte. Denn durch das viele Heizen und Kochen der Franzosen ist das Fleisch durch und durch geselcht worden. Von da an gab's den Südtiroler Speck! So sagt man, ist der Südtiroler Speck erfunden worden.Das Vinschger Paarl
Die Geschichte des Brotes im Alpenraum beginnt mit Brotfunden aus dem 4. Jahrtausend in der Schweiz. Aus Südtirol gibt es Belege für Spelzgerste und Einkorn bereits aus dem Neolithikum. Die Römer bauten in Südtirol Weizen, Gerste, Roggen und Hirse an, wobei sich vor allem Roggen als widerstandsfähiges Korn durchsetzte. Bedingt durch das raue, aber relativ trockene Klima und durch die Abgeschiedenheit der bäuerlichen Hochsiedlungen, entwickelte sich in Südtirol schon im angehenden Mittelalter eine eigene Art der Vorratswirtschaft. Eine der gängigsten Brotsorten im Mittelalter war das „Vinschger Paarl“. Das “Ur-Paarl nach Kloster Art” ist die ursprüngliche und älteste Variante des “Vinschger Paarls”, des typischen schmackhaften Brotes aus dem Vinschgau aus dunklem Roggenmehl. In der traditionellen Form werden - wie der Name bereits andeutet zwei rund geformte flache Laibe zu einem “Paar” vereint. Das Originalrezept gehört den Benediktinermönchen des Klosters Marienberg (oberhalb von Burgeis), und die Bäcker, die sich an ihre Anweisungen halten, stellen das Ur-Paarl mit natürlicher Hefegärung aus Roggenmehl her. Auch heute noch findet man an verschiedenen Bergbauernhöfen den typischen Brotbackofen neben dem Bauernhaus. Vielfach wird dort noch 2-3mal jährlich eine große Menge an Vinschger Paarlen gebacken, die dann in der Vorratskammer aufbewahrt werden. Zum Trocknen wurden die Paarlen in den Brotrahmen geschichtet, geschnitten wurden die harten Paarlen dann in der Gramml (ugs. Gromml). Das Vinschger Paarl darf bei einer zünftigen Marende nicht fehlen, aber auch in getrocknetem Zustand ist es Basis herrlich schmackhafter Gerichte, wie z. B. für die Vinschgauer Brotsuppe. Geschichtlichen Überlieferungen zufolge wurden früher nach Beerdigungen beim “Leichenschmaus” nur halbe Paarlen gereicht.Schafübertrieb – einmalig in den Alpen
Die Schnalstaler sind nicht nur mit ihrer Heimat, sondern auch mit ihren Traditionen fest verwurzelt. Die Beeindruckenste und gleichzeitig Lebendigste ist der spektakuläre Schafübertrieb. Wie schon seit vielen Jahrhunderten ziehen alljährlich Mitte Juni bis zu 3500 Schafe vom Vinschgau und Schnalstal kommend über das verschneite Hochjoch (2857 m) und Niederjoch (3019 m) zu den noch heute Schnalser Bauern gehörenden Almgründen im Venter Tal. Treiber, Hirten und Hunde begleiten die Herde, die zum Teil in einem 2-Tages-Marsch über 44 km und 3200 Höhenmeter beim Aufstieg sowie nochmals 1800 beim Abstieg zurücklegen. Bei der Überquerung des Alpenhauptkammes werden mühsam viele Schneefelder sowie steile Fels- und Eisrinnen überwunden. Mitte September geht der Zug der 3500 Schafe in die umgekehrte Richtung, jedoch meist bei besseren Weg- und Wetterverhältnissen. Hirten, Treiber und Scharen von Einheimischen und Gästen werden mit einem großen Fest empfangen.
