Herbstzeit ist Kastanienzeit

Gebratene Kastanien, oder wie wir Südtiroler sagen „die Keschten“, gehören in der Herbstzeit dazu und ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich als Kind sehnsüchtig vor dem Feuer stand und gewartet habe bis die Kastanien fertig gebraten waren. Alles gehörte dazu, das „Ritzen“ der Kastanien am Nachmittag, das Braten in der Pfanne mit den vielen Löchern und das gemeinsame Schälen der noch heißen Kastanien am Familientisch. Das war immer ein sicheres Zeichen, dass die kältere Jahreszeit kommt und die ersten Male der Kachelofen warm gemacht wird.

Kastanienbratpfanne

Die Südtiroler Kastanie:

Die Früchte gehören zum Buchengewächs, welches in weiten Teilen des Landes zu finden ist. Die Edelkastanienbäume wurden früher bis zu 1000 Jahre alt und waren mit 35 Meter sehr hoch. Auf dem Baum beginnen sich aus den gelben Blüten (übrigens eine Delikatesse für jede Biene) eine Frucht, umhüllt mit einer Stacheligen Hülle zu bilden.

Stachelige Frucht

Wenn diese stachelige Hülle dann braun wird, fällt sie vom Baum und man kann die Früchte ernten. Innen in der stacheligen Hülle ist die Kastanie versteckt. Sogar in einem weichen Bett liegt sie. Ernten tut man die Früchte dann besser mit Handschuhe denn die Stacheln der Frucht sind hart und sehr spitz.

Kastanie

Kastanien waren seit jeher wesentlicher Bestandteil der bäuerlichen Kost. Neue ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen den Wert der Kastanien: Reich an Stärke, aber auch an Nährstoffen und Vitaminen, beeinflussen sie u.a. den Serotonin-Spiegel (das sogenannte „Glückshormon“) im Körper positiv. Zudem sind Kastanien glutenfrei und somit auch für Allergiker bestens geeignet.

Die traditionell einfache und verbreitete Art der Zubereitung der Kastanien ist das Rösten am offenen Feuer oder am Herd. Wichtig ist dabei, die Schale an der gewölbten Seite mit einem scharfen Messer quer oder kreuzweise einzukerben (wir nenne es ritzen), damit die Kastanien nicht explodieren! Und mit explodieren meine ich wirklich explodieren :-). Wenn man neben der Pfanne steht kann man schon Mal von solch einem heißen Geschoss getroffen werden!
Geröstet sind die Keschtn unverzichtbarer Bestandteil beim Törggelen, dieser typischen Südtiroler Tradition der geselligen Verkostung von Most oder jungem Wein zusammen mit einer guten Jause aus Speck, Kaminwurzen, Brot und eben Kastanien. Die Kastanie fördert somit sogar unseren sozialen Umgang. Die Kastanien werden oft auch mit Butter gegessen, dies dient nicht nur dem geschmacklichen Vorteil sondern dadurch glaubt man, dass die Kastanien leichter verdaut werden.

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Kastanien können aber auch gekocht werden: Dazu gibt man sie ungeritzt für etwa eine Stunde ins kochende Wasser; anschließend kann man sie in der Mitte teilen und das Fruchtfleisch heraus löffeln.
Kastanienmehl war früher weit verbreitet als Zutat für Backwaren; heute verwendet man doch meist andere Mehlsorten, auch weil das Kastanienmehl einen etwas dumpfen Geschmack hat.

gebratene Kastanien
Wer den Geschmack der süßen Kastanien liebt, dem empfehle ich die Südtiroler Kastanien Krapfen zu probieren. Herrlich schmecken die Krapfen auch mit original Vinschgauer Marillenmarmelade.

Krapfen

Und wem jetzt der Mund wässrig geworden ist, der kann gerne zum wöchentlichen DolceVita Törggelen ab 29. September mitkommen. Im Gasthaus Pfraum gibt es ungelogen die besten gebratenen Kastanien und „Keschtenkrapfen“ weit und breit!

– Autor: Ines Zorn

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